100 Prozent für Rulle und Leufke
Nottuln - Die euphorische Aufbruchstimmung vom August 2008, als die CDU Raphael van der Poel für das Bürgermeisteramt nominierte, war am Donnerstagabend nur manchmal zu spüren. Eher prägte nüchterne Arbeitsatmosphäre die Versammlung des CDU-Gemeindeverbandes im Hotel Marienhof. Schließlich galt es, neben dem Vorstand (siehe weiteren Bericht) die Kandidaten für die Gemeinderats- und Kreistagswahl formell zu wählen. Ein echter Marathon.
Überraschungen gab es dabei nicht. Alle Vorschläge aus den jeweiligen Ortsverbänden wurden von den 70 stimmberechtigten Mitgliedern mit großer Geschlossenheit akzeptiert. Auf Platz 1 der Reserveliste setzte die CDU ihren Fraktionschef Hartmut Rulle. Der 48-jährige Appelhülsener erhielt als Direktkandidat eine 100-prozentige Zustimmung. Ein Spitzenergebnis, das außerdem nur noch der 54-jährige Daruper Paul Leufke erzielte.
Den richtigen Ton in der Versammlung traf Raphael van der Poel. Statt das A bis Z der Kommunalpolitik zu beleuchten, beschränkte sich der parteilose Bürgermeisterkandidat auf vier Themen. Umgehungsstraße: Als „falsches Signal“ bewertete van der Poel Versuche, jetzt kurz vor dem Planfeststellungsbeschluss das Verfahren für die Ortsumgehung aufzuhalten zu wollen. Dass die Straße einen erheblichen Eingriff darstelle, wolle er gar nicht leugnen. Aber dafür gebe es die Planfeststellungsverfahren, in denen die Interessen ordnungsgemäß abgewogen würden. Und wer nicht damit einverstanden sei, dem stehe natürlich das Recht zu, auf juristischem Wege seine Ziele zu verfolgen. Aber irgendwann müssten solche Verfahren auch zu Ende geführt werden. Wenn man jetzt diese Chance nicht nutze, werde man auf absehbare Zeit keine Umgehung bekommen.
Discounter Appelhülsen: Ausdrücklich begrüßte van der Poel öffentliche Äußerungen zugunsten des neuen Discounters. Es sei immer leicht, etwas zu kritisieren, schwerer aber, für etwas zu sein. Diesen Mut, sich auch für etwas einzusetzen, müsse die CDU fördern.
Fotovoltaik-Park: Die Mehrheitsentscheidung des Rates sei zu respektieren. Wer jedoch jetzt schon von schwarzen Zahlen spreche, aber die Finanzierungskosten nicht erwähne, sage nicht die ganze Wahrheit. Van der Poel teilte die grundsätzliche Kritik der CDU. Ziel müsse es eher sein, die Baugebiete so zu planen, dass die Bauherren in die Lage versetzt werden, Fotovoltaikanlagen zu betreiben. Van der Poel: „Auf den Dächern ist die Fotovoltaik besser aufgehoben als auf einer Fläche, die auch anders genutzt werden könnte.“
„Haus der Familie“: Ausdrücklich begrüßte Raphael van der Poel die CDU-Initiative für die Einrichtung eines „Hauses der Familie“ und sagte: „Warum sollen wir es nicht anstreben, familienfreundlichste Gemeinde zu werden?“