Entscheidung für die Familie
Überraschende Entwicklung: Beigeordneter Klaus Fallberg hat am Dienstagabend die Vorsitzenden der Nottulner Ratsfraktionen darüber unterrichtet, dass er für eine dritte Amtszeit als Beigeordneter nicht zur Verfügung steht. Der 58-Jährige teilte seine Entscheidung zu einem frühen Zeitpunkt mit, denn die nunmehr zweite Amtszeit des kommunalen Wahlbeamten läuft noch bis zum 31. März 2016. Und frühestens im Oktober nächsten Jahres hätte ihn der Rat erneut wählen können. „Die Politik ist immer fair mit mir umgegangen, deshalb wollte ich auch fair zur Politik sein und sie frühzeitig informieren“, schilderte Fallberg auf Anfrage unserer Zeitung.
Die Entscheidung hat sich der gebürtige Gelsenkirchener, der im Jahre 2000 von der Stadtverwaltung Mönchengladbach nach Nottuln wechselte, reiflich überlegt. Die Gründe für den Ausstieg aus dem Nottulner Beigeordnetenamt liegen ausschließlich im privaten Umfeld. „Ich möchte künftig einfach mehr Zeit mit meiner Familie, mit meinen Kindern (vier und sechs Jahre alt, Anmerkung der Redaktion) verbringen“, betonte Klaus Fallberg. „Seitdem ich Familienvater bin, weiß ich, wie schwierig es ist, die Waage zu halten zwischen den familiären und beruflichen Verpflichtungen.“
Keinesfalls sei es so, dass ihm die Arbeit keinen Spaß mehr mache. Im Gegenteil: „Einen tolleren Arbeitsplatz als den des Beigeordneten und Kämmerers in Nottuln kann man nicht haben“, erklärt der Finanzexperte. Außerdem: „Unsere Verwaltung ist gut aufgestellt, wir haben gute Fachbereichsleitungen und gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“
Letztlich sei ihm aber klar geworden: „Meine Kinder brauchen mich mehr als die Gemeindeverwaltung Nottuln.“ Wenn Klaus Fallberg im März 2016 nach dann 43 Jahren im öffentlichen Dienst aus dem Amt ausscheidet, soll danach ausschließlich die Familie im Mittelpunkt stehen.
Mit Verständnis, Respekt und auch Anerkennung haben die Fraktionsvorsitzenden auf die überraschende Entwicklung reagiert. Bislang konzentrierten sich die Bemühungen der Politik „nur“ auf die Suche nach einem Bürgermeisterkandidaten für die Wahl im September nächsten Jahres, da ja bekanntermaßen Peter Amadeus Schneider für eine dritte Kandidatur nicht zur Verfügung steht (wir berichteten). Jetzt muss sich die Politik Gedanken über Personen und Struktur der Verwaltungsspitze insgesamt machen.
Der Beigeordnete und Kämmerer ist nach nunmehr 14 Jahren in Nottuln für viele in der Politik der sichere Anker, der auch in stürmischer Finanz-See Halt gibt. Sowohl bei seiner erstmaligen Wahl am 25. Januar 2000 als auch bei der Wiederwahl am 13. November 2007 hat ihn der Gemeinderat jeweils einstimmig und ohne Enthaltungen gewählt.
Klaus Fallberg gilt als gewiefter Kommunalfinanzexperte. Die Umstellung des Gemeindehaushalts von der Kameralistik auf die Kaufmännische Buchführung, die Arbeit zur Gründung des Finanzzentrums Baumberge, sein Verhandlungsgeschick und nicht zuletzt die Aufgeschlossenheit, auch neue und zunächst ungewöhnliche Finanzinstrumente wie die Zinssteuerung zum Vorteil der Gemeindefinanzen zu nutzen, haben ihm ein großes Renommee eingebracht. Hoch angerechnet wird ihm auch, dass er trotz zwischenzeitlicher Abwerbeversuche Nottuln die Treue gehalten hat.