Zeit gewonnen
Gefühlt war halb Schapdetten nach Nottuln ins Forum des Gymnasiums gekommen, um der neuen Elterninitiative für den Erhalt der St.-Bonifatius-Grundschule den Rücken zu stärken. Das Thema Schulschließung, über das der Schulausschuss der Gemeinde am Mittwochabend beriet, mobilisierte. Und am Ende konnten die Schapdettener durchaus zufrieden nach Hause gehen: Der Ausschuss hat einmütig die Entscheidung über die Schulschließung vertagt. Elterninitiative, Schulleitung und die Gemeinde wollen gemeinsam versuchen, für die Schapdettener Grundschule ein neues, auch die Aufsichtsbehörden überzeugendes Konzept zu erarbeiten. Dahinter steht die Hoffnung, dass die Bezirksregierung der Gemeinde Zeit gibt, die Schülerzahlen wieder zu steigern.
Zu Beginn der ausführlichen Debatte, in der alle Seiten zu Wort kamen, galt es jedoch, zunächst ein wenig Vergangenheitsbewältigung aufzuarbeiten. Beigeordneter Klaus Fallberg: „Keiner hat sich diese Situation gewünscht, aber jeder hat gewusst, dass sie kommt.“ Seit Jahren seien die sinkenden Schülerzahlen allgemein und speziell an der St.-Bonifatius-Schule Thema im Ausschuss gewesen. Nun habe die Schule mit derzeit 33 Schülern die Mindestgrenze von 46 Schülern unterschritten. Nach der Prognose werde dies auch bis 2020 so bleiben. Die Aufforderung der Bezirksregierung, die Schule zu schließen, sei in rechtlicher Hinsicht völlig korrekt.
Zur Vergangenheitsbewältigung trug auch der Leiter des Schulverbundes St.-Martinus-Schule/St.-Bonifatius-Schule, Heinz Rönnebäumer, bei. Vorwürfe aus der CDU zu der Entscheidung aus dem Frühjahr, bei nur drei angemeldeten Kindern in diesem Jahr auf eine Einschulung in Schapdetten zu verzichten, hatten den Schulleiter schwer getroffen. „Das war keine einsame Entscheidung“, betonte Rönnebäumer vor dem Ausschuss und den über 100 Sitzungszuschauern. Im Einvernehmen mit den Kollegen und den betroffenen Eltern sei man zu der Auffassung gelangt, dass es für die Kinder besser sei, in Nottuln eingeschult zu werden.
Seit die St.-Bonifatius-Schule als Teilstandort der St.-Martinus-Schule geführt werde, sei es ihm immer darum gegangen, die Schule vor Ort zu erhalten. So habe man auf die zurückgehenden Schülerzahlen mit jahrgangsgemischtem Unterricht reagiert. Und ohne die Kinder aus Appelhülsen hätte die Schule schon im Schuljahr 2013/2014 die Mindestzahl unterschritten.Statt Schuldzuweisungen vorzutragen, solle man nun konstruktiv nach vorne schauen. Und dazu ist die Schulleitung bereit. Rönnebäumer berichtete von einem Treffen mit der Elterninitiative am Montagabend, bei dem die Eltern ihre Ideen vorgestellt haben. Ergebnis: „Wir können uns vorstellen, diese Ideen mitzutragen“, sagte der Schulleiter. Zuvor hatte auch schon Beigeordneter Fallberg für die Verwaltung betont: „Wenn es gute Ideen gibt, sind wir dabei.“
„Wir haben gute Ideen und glauben, dass die Eltern diese honorieren werden“, ist Thomas Altepping, der zusammen mit Niclas Delcour die Elterninitiative nach außen vertritt, sehr zuversichtlich. Delcour schilderte dem Ausschuss, wie sich nach der Bürgerversammlung die Initiative gebildet habe, damit die Schule vor Ort erhalten bleibe. Man habe auch eine Unterschriftenaktion durchgeführt und in kurzer Zeit rund 1100 Unterschriften für den Erhalt der Schule gesammelt.
Die Eltern hätten bereits viele Ideen gesammelt, um die Schule so attraktiv zu machen, dass sie im Wettbewerb mit den anderen Schulen bestehen kann. Die Vorschläge reichen dabei von längeren Betreuungszeiten über Vernetzungsangebote und Kooperationen – zum Beispiel mit dem Dettener Dorfladen (gesundes Frühstück) und dem Bürgerbus (optimierte Schülerbeförderung) – bis hin zu der Überlegung, die Schule zweisprachig auszurichten. „Es gibt ganz viele Ideen, aber natürlich in der kurzen Zeit noch kein fertiges Konzept“, betonte Niclas Delcour. Das Gespräch mit dem Schulleiter und den Lehrkräften sei sehr gut gewesen. „Wir wollen das gemeinsam in Angriff nehmen“, betonte er.
Alle Fraktionen im Ausschuss begrüßten das Engagement der Eltern und sind auch bereit, den Beteiligten Zeit zu verschaffen. Logische Konsequenz: Der Ausschuss verzichtete einstimmig auf eine Entscheidung und vertagte sie.
Dass in wenigen Wochen das Anmeldeerfahren an den Grundschulen für das kommende Schuljahr läuft, ist aus Sicht von schule und Verwaltung kein Hindernis, zumal die Termine aus rechtlichen Gründen nicht verlegt werden können. „Die Schapdettener Schule besteht ja weiterhin“, meinte gestern der Beigeordnete. Und Schulleiter Heinz Rönnebäumer hatte in der Sitzung erklärt: „Die Anmeldung erfolgt beim Schulverbund, wobei die Eltern dann ankreuzen können, ob der Standort Schapdetten oder Nottuln gewünscht wird.“
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