"Ich kandidiere nicht"
Elf Monate vor der Bürgermeisterwahl am 13. September 2015 ist nun klar: Die Nottulner werden auf jeden Fall einen neuen Bürgermeister bekommen. Peter Amadeus Schneider wird nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. „Ich möchte in der letzten Phase meiner Berufstätigkeit noch einmal etwas völlig Anderes machen. Etwas, das mit Kultur oder mit Musik oder mit beidem zu tun hat“, sagt der 58-Jährige im WN-Gespräch. Was das genau sein wird, ist noch offen. „Ich habe noch nichts gefunden.“
Schneider hat seine Entscheidung den Sommer über reifen lassen, natürlich auch mit seiner Frau Kirsten besprochen. Seine Vorliebe für die Kultur, insbesondere die Musik, ist bekannt.
Ausdrücklich betont er: „Ich bin nicht amtsmüde.“ Bei allen Problemen und Sorgen, die sicherlich vorhanden seien, bereite ihm das Amt unverändert Freude und Spaß.Er habe auch keine Angst, sich erneut einer Wahl zu stellen. Ob er wieder mit knapp über 71 Prozent wie 2009 gewählt würde? „Dafür habe ich zu viele Dinge umgesetzt, über die sich Menschen geärgert haben“, erklärt der Bürgermeister, der jedoch selbstbewusst genug ist, um anzumerken: „Ich habe aber den Eindruck, dass meine Reputation im Ort so groß ist, dass ich einer Wahl nicht mit Sorgen entgegensehen müsste.“
Auch die Zusammenarbeit mit dem Rat sei keinesfalls ein Grund für den Verzicht auf die erneute Kandidatur. „Zum einen ist die Mehrheit im Rat nach der letzten Kommunalwahl eher noch günstiger geworden für meine Vorschläge, zum anderen ist die Gesprächskultur im Rat wirklich sehr gut.“
Der Wunsch, sich beruflich neu zu orientieren, ist die eine Seite. Die Entscheidung des Bürgermeisters hängt aber auch mit seinem Amtsverständnis zusammen. Leitungsaufgaben erforderten eine stetige Kreativität, verbunden mit Aufmerksamkeit und Flexibilität. „Nach meiner persönlichen Einstellung soll man derartige Ämter nicht zu kurz, aber eben auch nicht zu lang ausüben. Ich glaube, dass elf Jahre eine gute Periode sind“, sagt der 58-Jährige, dessen Amtszeit am 20. Oktober 2015 endet.
Schneider hat vor Ort Geschichte geschrieben, denn er ist der erste Bürgermeister mit SPD-Parteibuch. Unterstützt von SPD, Grünen und UBG, hatte der damals aus Rendsburg kommende Leiter einer Weiterbildungseinrichtung in der Stichwahl mit 57,6 Prozent den CDU-Mitbewerber aus dem Rennen geworfen. 2009 bestätigte ihn die Bevölkerung mit fast schon sagenhaften 71,1 Prozent im Amt.
Die kommenden elf Monate will Schneider weiterhin mit vollem Engagement das Bürgermeisteramt ausüben. „Ich werde ganz sicherlich nicht mit halber Kraft arbeiten.“ Denn es steht noch eine Fülle von gewichtigen Themen auf der politischen Tagesordnung. Da ist die äußerst schwierige Finanzsituation der Gemeinde für 2015, da ist die neu beginnende Windkraft-Debatte im nächsten Frühjahr, da ist die Entscheidung über das Ortskern-Entwicklungsprojekt. „Jetzt, da bekannt ist, dass ich nicht erneut kandidiere, ist das auch eine Chance, diese Themen sehr sachlich zu diskutieren“, sagt der Bürgermeister. „Kein Wahlkampf schwebt darüber.“
Auch wenn es für ein Resümee seiner elfährigen Bürgermeisterzeit noch zu früh ist, eines steht für Peter Amadeus Schneider fest: „In Nottuln Bürgermeister sein zu dürfen, war für mich stets ein Geschenk. Diese Empfindung wird sich auch nicht mehr ändern.“