Ein europäisches Problem
„Der Ost- und Westkonflikt, Korruption, das Problem der Identität und die desolate wirtschaftliche Lage zeichnen das Land seit seiner Entstehung.“ Ralf Wachsmuth von der Konrad-Adenauer-Stiftung hat viele Jahre in der Ukraine gelebt und die „Orangene Revolution“ miterlebt. Die CDU und die Friedensinitiative Nottuln hatten den Experten am Donnerstag in das Johannishaus eingeladen. Thema: Krieg und Frieden – die Auseinandersetzung mit der Ukraine.
Den experimentellen Charakter der Veranstaltung mit der Friedensinitiative hob der CDU-Ortsvorsitzende Georg Schulze-Bisping zu Beginn hervor. „Das ist eine Veranstaltung, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Wir wollen, dass neue Zielgruppen Veranstaltungen dieser Art besuchen“, betonte er. Außerdem könne es bei diesem Thema keine zwei politischen Meinungen geben. „Krieg wollen wir alle nicht.“ Jürgen Hilgers von der Friedensinitiative nickte zustimmend. „Wir haben zwar in vielen Bereichen unterschiedliche Positionen, aber wir wollen uns austauschen. Nur im Austausch liegt der Schritt nach vorne.“ Man könne froh sein, gemeinsam über Politik reden zu können.
Ralf Wachsmuth nahm seinen Stuhl. Er setzte sich. Zufrieden blickte er in die Runde und breitete seine Unterlagen auf dem Tisch aus. „Ich freue mich wieder in Nottuln zu sein. Die Gegend ist mir sehr bekannt und ich komme gerne hierher.“ Er begann mit seinem Vortrag über die Ukraine – lieferte Hintergrundinformationen, Kennlinien des Konflikts und erzählte vom alltäglichen Leben.Lange hat Wachsmuth die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kiew repräsentiert. „Die osteuropäische Mentalität kommt mir sehr entgegen.“ Bis heute halte er Kontakt zu Menschen, die dort leben, sowie zu den politischen Parteien. „Die Ukraine ist vor 21 Jahren aus der Erbmasse der Sowjetunion entstanden und kämpft seitdem mit Selbstständigkeitsprozessen“, erklärte der Experte. Die größten Probleme des gespaltenen Landes seien der liberale Westen und der zaristisch, sowjetkommunistisch geprägte Osten. Neben der ständigen Korruption, „der Ukrainer wird schon fast korrupt geboren“, spielten aber auch die Oligarchen eine entscheidende Rolle. Auch sei das politische System sehr kompliziert. „Das kann auf die Dauer nicht so weitergehen. Wir sind in Deutschland eine gute Basis gewohnt. Davon kann in der Ukraine nicht die Rede sein.“
Fragen über die Rolle Europas in der Krise, Putins Einfluss oder das Ansehen von Vitali Klitschko brannten Politikern und Bürgern unter den Nägeln. Russland habe unter Putin an Bedeutung und Selbstbewusstsein gewonnen, betonte Wachsmuth. Klitschko habe Probleme mit der Akzeptanz in der Ukraine. „Der gesamte Konflikt und die Krise ist ein europäisches Problem, das wir gemeinsam sehen und lösen müssen.“