„Ein Jahrhundertwerk“
Rund 200 Bürger – Gegner und Befürworter – kamen zum offiziellen Baubeginn der Ortsumgehung Nottuln.
Es war ein frommer Wunsch, den Winfried Pudenz am Mikrofon äußerte: „Bitte versöhnen Sie sich“, bat der Hauptgeschäftsführer des Landesbetriebs Straßen NRW beim offiziellen Spatenstich für den Bau der Umgehungsstraße Nottuln. Dass der Wunsch in Erfüllung gehen wird, ist nicht zu erwarten.
Am Donnerstagnachmittag bei der Feierstunde wurde zwischen Befürwortern und Gegnern genauso heftig diskutiert wie vor 19 Jahren. Mit Plakaten, Pfiffen und Zwischenrufen artikulierten die Gegner noch einmal deutlich, aber gesittet ihren Protest. Darunter auch drei Jugendliche, die drei Kiesel zu einem Haufen gruppiert hatten, um symbolisch dem Projekt Steine in den Weg zu legen.
Mit heftigem Beifall reagierten hingegen die Befürworter des Projektes, wenn in den Reden die positiven Seiten der Umgehungsstraße hervorgehoben wurden.
Unter den rund 200 Anwesenden war die CDU-Politikerin Roswitha Roeing-Franke. Für sie war es ein ganz besonderer Tag. Noch gut kann sie sich an den ungewöhnlichen Besuch vor 20 Jahren erinnern, als Eltern mit Kindern zu ihr kamen und darum baten: „Schaffen Sie den Verkehr aus dem Ort. Unsere Kinder werden krank davon.“ Das sei für sie der Anlass gewesen, aktiv in die Kommunalpolitik einzusteigen.
Freude herrschte auch beim heutigen Pensionär Reinhard Niggemeier, dem früheren Chef des Westfälischen Landesstraßenbauamtes. In seine Amtszeit fielen der Startschuss für das Projekt und die Auswahl der Nordtrasse. „Dass ein Projekt, an dem man so intensiv mitgearbeitet hat, am Ende realisiert wird, freut einen natürlich“, sagte Niggemeier.
„Diese Straßenplanung hatte glühende Befürworter und glühende Gegner“, griff Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, die Nottulner Stimmungslage auf. Er wies auf die Vorzüge der neuen Straße für die Region, aber auch für den Ort hin. So werde Nottuln beim Pkw-Verkehr um 50 Prozent, beim Lkw-Verkehr um 80 Prozent entlastet. „Dieses Projekt ist sehr gut für die Region und wird den Menschen gut tun.“ Der Staatssekretär sprach von einer vierjährigen Bauzeit bis zur Fertigstellung. Er sei überzeugt, dass viele heutige Gegner nach der Fertigstellung sagen werden, „so schlecht haben die Straßenplaner das nicht gemacht.“
„Wer an diesem Ort hängt, muss für eine Umgehung sein. Jetzt kann Stadtentwicklung stattfinden“, sagte Michael Heinze, Leitender Ministerialrat aus dem NRW-Verkehrsministerium. Heinze erinnerte an die 19-jährige Dauer des Projektes, an die sieben Jahre des Planfeststellungsverfahrens, an die Klage, die in allen Punkten abgewiesen worden sei. Man habe sich sehr viel Mühe gemacht und viele Verbesserungen in die Planung aufgenommen. „Am Ende entscheiden Mehrheiten“, betonte Heinze und verwies darauf, dass sich der Nottulner Gemeinderat mit breiter Mehrheit für dieses Projekt ausgesprochen habe.
„Aus Sicht des Kreises Coesfeld ist die Maßnahme dringend zur Entlastung des Nottulner Ortskerns notwendig“, sagte Konrad Püning. Der Landrat wies darauf hin, dass das Projekt in einem demokratischen Verfahren zustande gekommen sei.
Diesen Aspekt griff auch stellvertretender Bürgermeister Wolf Haase auf, der von „demokratischen Entscheidungen“ sprach. Ausdrücklich dankte Haase den Gegnern der Straße. Ihr massiver Protest habe zu erheblichen Nachbesserungen bei der Planung geführt. Wolf Haase sprach aber auch von „überzeugenden Entlastungszahlen“, die für das „Nottulner Jahrhundertwerk“ sprächen.