365 Tage im Jahr im Dienst
„Na, haben Sie die Feiertage gut verlebt?“ Karl Schiewerling, CDU-
Bundestagsabgeordneter aus Nottuln, begrüßt die Journalisten im Hotel „Weissenburg“ in Billerbeck zum Jahrespressegespräch. Und plaudert gewohnt locker los. Am 1. Weihnachtstag sei er traditionell in der Ucht – dem Gottesdienst um 6 Uhr morgens – in der Pfarrkirche St. Martinus gewesen. „Und es war rappelvoll“, sagt er. Das habe ihn überrascht. Und wohl auch gefreut, darf man sicher ergänzen.
Schiewerling freut sich an diesem Morgen in der „Weissenburg“ auch über das Vertrauen, das die Parteifreunde dem 61-Jährigen geschenkt haben, die ihn im kommenden Jahr, wenn der Bundestag gewählt wird, zum dritten Mal ins Rennen schicken. Er spricht über die Eurokrise, dass man den „klaren, festen und erfolgreichen Kurs von Angela Merkel“ fortsetzen müsse. Er lobt die Energiewende: „Jetzt geht es um die konsequente Umsetzung zu bezahlbaren Preisen.“ Er spricht über die demografische Entwicklung: „Dass das eine ganz große Herausforderung ist, ist noch nicht bei den Menschen angekommen.“ Und kommt zur Familienförderung, die ihm besonders am Herzen liegt. Er freut sich über die hohe Erwerbstätigkeit („41,9 Mio. Jobs“), mit der man in Europa „Klassenprimus“ sei, und spricht noch über vieles mehr.
Aber es ist nicht nur die große Politik, sondern es sind auch die kleinen menschlichen Begegnungen, über die der Nottulner erzählt. In seinen 120 Bürgersprechstunden in dieser Wahlperiode, bei ungezählten Terminen im Wahlkreis und bei Gesprächen mit seinen Gästen in Berlin (2000 aus dem Wahlkreis allein in diesem Jahr) habe er wieder sehr viel gelernt und viele Menschen und Schicksale kennengelernt. „Und es ist sehr erfüllend, wenn ich helfen kann.“Doch nicht nur im persönlichen Gespräch hält er Kontakt. 150 bis 170 Mails bekommt er täglich, schätzt Schiewerling. „Die Kommunikation auf diesem Weg hat exorbitant zugenommen“, sagt Jörg Grabenschröer. Der Daruper ist für die Öffentlichkeitsarbeit von Schiewerling zuständig. Er gehört zum fünfköpfigen Team, das dem Abgeordneten hilft.
23 bis 24 Wochen im Jahr sei er in Berlin, erzählt Schiewerling, die restliche Zeit im Wahlkreis unterwegs. Er trenne zwar scharf zwischen Berlin und Wahlkreis, wolle da, wo er ist, immer auch ganz sein. Zwischen privat und beruflich allerdings trennt er nicht. „Ich stehe ja im Telefonbuch. Es kommt zwar nicht oft vor, aber manchmal rufen die Leute auch bei mir zu Hause an.“ Das sei kein Problem für ihn. „Wenn ich keine Zeit habe, sage ich das und stoße in aller Regel auf Verständnis.“ Damit ist der Bundestagsabgeordnete 365 Tage im Jahr im Dienst, souffliert Grabenschröer: „Das hätte ich vorher auch nicht gedacht, ich möchte nicht mit Karl Schiewerling tauschen.“
Die drei Kinder seien erwachsen, seine Frau Mechthild unterstütze ihn. „Dann geht das schon. Wie das allerdings meine jungen Kollegen in Berlin mit kleinen Kindern machen, das ist mir manchmal ein Rätsel.“
Als Erfolg in 2012 hat Schiewerling die Finanzierung der Nottulner Umgehung verbucht. „Das war das dickste Brett, das ich bisher bohren musste.“ Dass es seinen Heimatort betroffen habe, sei dabei nicht entscheidend gewesen. „Das hätte ich unter denselben Voraussetzungen – mehrheitliche Ratsentscheidung und abgeschlossene gerichtliche Klärung – für jede andere Kommune auch getan.“