Wertschöpfung in der Region
Deutlich mehr als 100 Interessenten hatten den Weg ins Forum des Gymnasiums gefunden, wo Robert Hülsbusch (FI-Sprecher) und Dieter Welbers (CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender) als fachkundige Referenten Gerd Marx (EnergieAgentur NRW), Bruno F. J. Simmler (Bereichsleiter Gründungsberatung Rheinisch-Westfälischer Genossenschaftsverband), Prof. Dr. Christian Focke (Hochschullehrer an der Hochschule Aschaffenburg mit beruflichem Background als Landwirt in Darup), Martin Herding (Volksbank Nottuln) sowie Reimund Thiele (Sparkasse Westmünsterland) begrüßen konnten. „Der Weg ins regenerative Zeitalter ist nicht zum Nulltarif zu haben, aber Investitionen werden langfristig eine gute Rendite sichern“, betonte Dieter Welbers.
Als erster Referent informierte Gerd Marx über Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung an Windkraftanlegen. Die regionale Verwurzelung sei der Vorteil eines Bürgerwindparks, erläuterte er. Sowohl die Bürger kämen dabei aus der Region, in der die Windkraftanlage stehe, und auch die Betreibergesellschaft habe dort ihren Sitz. Zwei Gruppen von Bürgerwindparks seien denkbar, so der Referent, zum einen „Bürger produzieren mit“, zum anderen „Bürger finanzieren mit“. Bei der Variante Bürger als Kapitalgeber würden sich Interessenten lediglich finanziell an einer Betreibergesellschaft beteiligen, hätten aber kein Mitspracherecht, verdeutlichte er. Zu beiden Bürgerwindparkformen stellte Marx in NRW realisierte Beispiele vor. Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung lagen ihm dabei besonders am Herzen. Frühzeitige und transparente Informationen, so unterstrich er, seien ausschlaggebend.Bruno F. J. Simmler stellte die Strukturen der genossenschaftlichen Beteiligung von Bürgern an Windkraftanlagen vor. „Wer nur Rendite erwirtschaften will, ist mit diese Gesellschaftsform nicht auf dem richtigen Weg“, erwähnte er ausdrücklich, ehe er aufzeigte, was für die Rechtsform Windkraft-/Energiegenossenschaft spricht. „Das primäre Ziel ist eine Nahversorgung an erneuerbarer Energie hier in Nottuln sicherzustellen“, betonte Simmler. „Wenn sie dann auch Rendite ausschütten kann, nehmen wir sie gerne mit“, schmunzelte er. Das sei aber nicht das vorrangige Ziel. Grundsätzlich sei der Genossenschaftsverband bereit, die Gründung von Energiegenossenschaften mit Rat und Tat zu unterstützen.
Dr. Christian Focke erläuterte anhand eines fiktiven Beispiels, dass ein Ergebnisrückgang des Umsatzes einer Windenergieanlage Eigenkapitalgeber, im Gegensatz zu Banken und Fremdkapitalgebern, überproportional treffe. Deshalb favorisiere er eine Windkraft-Beteiligung über strukturierte Anleihen, so Focke und stellte diese finanzielle Beteiligung näher vor.
Beide Vertreter der heimischen Geldinstitute hatten Praxisbeispiele zu möglichen Finanzierungsstrukturen von Windkraftanlagen mitgebracht. Sowohl Martin Herding als auch Reimund Thiele hoben hervor, dass vor dem Festlegen auf eine Anlage mindestens zwei Gutachten eingeholt werden sollten. „Lassen sie die Wertschöpfung in der Region“, appellierten die Vortragenden an die Zuhörer.
Für Interessenten gibt es weiter die Möglichkeit, schriftlich ihre Beteiligungsabsicht zu dokumentieren. Wie Robert Hülsbusch berichtete, haben mittlerweile 40 Bürger ihre Beteiligung an einem Bürgerwindrad zugesagt. Es wurde ein Aktionskreis gegründet, der das Projekt weiter vorbereitet.