CDU Gemeindeverband Nottuln

Unverhofftes Handy-Date mit Merkel

Bröckelmann im Gespräch mit der Bundeskanzlerin

Nottuln. Der Anruf kommt völlig überraschend. Als Henrik Bröckelmann aus Nottuln in einem Buchladen stöbert, klingelt sein Handy. Die Berliner Nummer auf dem Display ist ihm nicht bekannt. Er drückt die grüne Taste - und am anderen Ende gibt sich eine Frau als Mitarbeiterin des Bundeskanzleramtes aus. Frau Merkel wolle mit ihm sprechen. Bröckelmann hält das zunächst für einen Scherz. Aber dann berichtet sie, dass die Kanzlerin ja von ihm Post bekommen habe, einen kritischen Brief über ihre Politik - dazu würde sie gern Stellung nehmen. Und tatsächlich hatte der 33-jährige Politik-Student, der Bundesvorstandsmitglied der Jungen Union ist, sich vor einiger Zeit all seinen Frust über den seiner Ansicht nach immer konturloseren Zustand der CDU, über energiepolitische Rückwärtsrollen und außenpolitische Alleingänge von der Seele geschrieben. "Ein paar Wochen lang war das alles nur unbearbeitet auf der Festplatte meines Computers gespeichert", erinnert er sich. Aber dann habe er den Brief doch an die CDU-Vorsitzende und Kanzlerin abgeschickt. Ohne große Hoffnung, dass sie ihn persönlich lesen, geschweige denn dass der Brief irgendetwas ändern würde.
Um so größer ist seine Verblüffung, als sich jetzt das Bundeskanzleramt meldet und einen Telefontermin mit ihm vereinbart. Dann kommt der Termin - und bei Bröckelmann steigt das Lampenfieber. Er hat sich den Vormittag freigenommen. Wartet. Zur vereinbarten Zeit zwischen 10 und 11 Uhr meldet sich niemand. Hat die Kanzlerin ihn versetzt? Erst um 11.15 Uhr klingelt das Telefon und am anderen Ende ist wieder die sympathische Stimme der Mitarbeiterin aus dem Büro der Kanzlerin: Leider müsse das Gespräch "wegen Terminschwierigkeiten" auf morgen verschoben werden. Bröckelmann ist ein bisschen enttäuscht. Aber er hat natürlich auch Verständnis.

Und dann am nächsten Tag ist zur vereinbarten Zeit wirklich Angela Merkel dran. "Ohne lange Vorrede begann ein etwa 15-minütiges Gespräch, in welchem sie mich nach eigenen Worten davon überzeugen wollte, dass die Lage nicht so schlecht sei, wie ich sie beschrieben habe." Er sei ganz schön aufgeregt gewesen. Doch nach ein paar Minuten legt sich das - "und wir arbeiten nacheinander ein paar Themen ab". Zum Ausstieg vom Ausstieg aus der Kernkraft habe sie betont, dass das "ihre persönliche Entscheidung" gewesen sei. Nach Fukushima könne sie nicht mehr argumentieren, dass zum Beispiel das KKW Isar II gegen Flugzeugabstürze gesichert sei. Die Aussetzung der Wehrpflicht und Libyen kommen auch dran. Zum Schluss sagt sie noch, dass sie die Kritik ernst nehme. Bröckelmann ist beeindruckt, dass sie ihn als "einfaches CDU-Mitglied" angerufen und sich so viel Zeit für ihn genommen hat. Inhaltlich ist er aber ziemlich enttäuscht, empfindet das Ganze eher als "Beruhigungspille". Darin bestärkt ihn auch, dass schon ein paar Tage später mit dem Mindestlohn-Vorstoß "schon wieder so ein Einschlag" erfolgt sei. Sie habe die Unzufriedenheit an der Basis offenbar "noch nicht verstanden". Was er jetzt macht? Austreten, wie jüngst ein Freund von ihm? "Nein", schüttelt Bröckelmann mit dem Kopf. Er bleibe. Und ein "Revoluzzer" sei er auch nicht, wolle seine Kritik aber weiter äußern - notfalls eben auch direkt.