Haushalt 2011
Nottuln - „Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende - und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen.“ Das hat der amerikanische Schriftsteller Mark Twain gesagt. So gesehen, hat Grünen-Fraktionschef Moritz Hegemann am Dienstagabend im Gemeinderat alles richtig gemacht. Gerade mal sechs Minuten benötigte Hegemann, um die grüne Version einer Nottulner Weihnachtsgeschichte zu erzählen. Der Grünen-Chef fand das richtige Maß zwischen ernsten Sachaussagen und humorvollen Kommentierungen. Keine Frage: Hegemanns Rede war nicht nur die kürzeste und lustigste, sondern wahrscheinlich auch diejenige, die den rund ein Dutzend zuhörenden Bürgern auch länger in Erinnerung bleiben wird.
Angriff oder Verteidigung? Provozieren oder versöhnen? Fakten oder Emotionen? Alljährlich stehen die Fraktionsvorsitzenden vor der Aufgabe, zur Etatverabschiedung mit einer Rede zu glänzen. Die Erwartungen sind hoch, dabei sind die Entscheidungen längst getroffen. Insofern wird die Bedeutung der Haushaltsreden oft überschätzt. Wie haben die Fraktionsvorsitzenden in diesem Jahr die Aufgabe gemeistert?
CDU: Fraktionschef Hartmut Rulle sprach selbst zu Beginn von der undankbaren Aufgabe, als erster Redner antreten zu müssen. In den zwölf Minuten seiner Rede betonte er nicht nur die CDU-Position, sondern sprach geschickt auch jede andere Fraktion einzeln an, provozierte einen Zwischenruf von Rolf Schulz (UBG): „Ist heut schon Karneval?!“ Fazit: Dieser Rede hat man aufmerksam zugehört.
SPD: Mit nur zehn Minuten Redezeit fasste sich Fraktionsvorsitzender Wolf Haase diesmal kürzer als gewohnt. Geschickt: Haase stellte die Ratsmitglieder an die Seite des Bürgers: „Auch bei uns in den Familien gibt es Einschnitte und muss sparsamer gewirtschaftet werden.“ Negativ: Der Ratsherr verlor manchmal den Kontakt zum Mikrofon, daher waren Teile der Rede nur schwer zu verstehen. Und die Lautsprecheranlage im Ratssaal ist sowieso nicht die beste . . .
UBG: Mit neun Minuten Redezeit fasste sich auch Fraktionsvorsitzender Rolf Schulz ungewohnt kurz. Dennoch war der UBG-Ratsherr seinem Stil treu geblieben und hatte eine Fülle von Fakten- und Zahlendetails in seinen Text eingebaut. Das wirkt oft verwirrend. Erfrischend war dagegen die spontane Replik auf die zuvor geäußerte CDU-Meinung, in Sachen Gewerbesteuer habe sich die UBG der CDU-Meinung angeschlossen. Schulz im verärgerten Tonfall: „Wir laufen nicht der CDU hinterher, wir hatten unsere eigenen Gründe.“
FDP: Fraktionsvorsitzender Helmut Walter, sonst eher für kurze Haushaltsreden bekannt, nahm sich diesmal Zeit - insgesamt 21 Minuten. In der mit Abstand längsten Rede widmete sich Walter ausführlich allen Details des Themas. Allerdings: Die Gefahr des Verzettelns ist groß. Was will uns der Redner eigentlich sagen?