CDU Gemeindeverband Nottuln

„Wir haben kein Kreditproblem“

Nottuln - „Wir haben kein Liquiditätsproblem.“ Das sagte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben am Donnerstagabend in Nottuln mit großer Entschiedenheit in der Stimme. Ihr sei kein Fall bekannt, in dem ein Unternehmen mit Zukunftsperspektive ein Kredit verweigert worden sei. Thoben war auf Einladung des CDU-Gemeindeverbandes in die Baumberge gekommen, stellte in gut 30 Minuten in der Ausstellungshalle der Firma Hagemeister die Stärken des Standortes Nordrhein-Westfalen heraus und beantwortete dann Fragen der zirka 80 Zuhörer.

Foto: Dieter Klein

Einer hatte gesehen, dass auch Vertreter von Banken im Publikum waren und wollte von denen wissen, ob die Ministerin mit ihrer Überzeugung, die Banken vergeben ausreichend Kredite an Betriebe, Recht habe. Reimund Thiele, Abteilungsleiter Firmenkunden bei der Sparkasse Westmünsterland, folgte der Aufforderung sofort - und bestätigte das, was die Ministerin zuvor gesagt hatte. „Wir haben keine Probleme, Kredite bereitzustellen. Wir könnten aus dem Stand 1,5 Milliarden Euro an weiteren Krediten vergeben.“ Thiele später im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir haben in den ersten fünf Monaten dieses Jahres an mittelständische Unternehmen 175 Millionen Euro an Krediten vergeben, das entspricht einem Zuwachs von 30 Prozent gegenüber des Vergleichszeitraum 2008.“

 

Entschieden wehrte sich die Wirtschaftsministerin bei Hagemeister gegen den Eindruck, „der in der Öffentlichkeit entstanden ist, wir kümmern uns nur um Opel“. Thoben: „Das ist falsch. Der größte Teil der Bürgschaften ist beim Mittelstand gelandet. Aber ein Mittelständler, der eine Bürgschaft braucht, will nicht am nächsten Tag in der Zeitung stehen.“

Statt die Bezeichnung „Mittelstand“ zu benutzen, so Christa Thoben, spreche sie viel lieber von „familiengeführten Unternehmen“. Sie seien es, die das Land wieder aus der Wirtschaftskrise führen würden. Sie seien es, die „unserer Wirtschaftsform im wahren Sinne des Wortes ein Gesicht geben“. Familienunternehmer würden an ihre Kinder denken, die das Unternehmen einmal weiterführen werden. „Sie wissen, dass sie ohne ihre Mitarbeiter nicht erfolgreich sind.“ Sie setzten sich für ihren Standort ein, an dem sie tätig seien. In Vorständen wechselten die Mitglieder durchschnittlich alle fünf Jahre. Familienunternehmer hätten „lebenslänglich“.

Zu den Mittelständler, die am Donnerstagabend unter den Zuhörern waren, gehörte Marcus Ahlers, der ebenso wie sein Vater kritisierte, dass Betrieben im Außenbereich mitunter verweigert würde, sich zu vergrößern, weil sie im Sortiment innenstadt-relevante Produkte anbieten würden. Ahlers: „Wer legt eigentlich fest, was innenstadt-relevant ist und was nicht“. Thoben räumte ein, dass da vielleicht auch „Willkür“ mitspiele, betonte aber gleichzeitig, dass eine Landesregierung hier Interessen abwägen müsse. „Wollen wir Städte als Kulturzentren erhalten?“ Dann dürfte man sie nicht ausbluten lassen, Landesplanung und Raumordnung seien dann unerlässlich.

Auch ein Mittelständler aus einer Nachbargemeinde war nach Nottuln gekommen. Er hatte sein Betrieb - wohl nicht immer mit allen erforderlichen Genehmigungen, aber aus wirtschaftliche Not und Notwendigkeit, wie er sagte - erweitert. Jetzt drohe ihm das Aus, was ihn sehr belaste, da sein Sohn den Betrieb übernehmen wolle. Der Mann appellierte, doch in einer Wirtschaftskrise für Unternehmen zu entscheiden und Ausnahmen zu machen. Thoben versprach, vieles an Kritik und Anregungen mit nach Düsseldorf zu nehmen, machte aber auch deutlich, dass die Landesregierung nicht in die Entscheidungskompetenzen eingreifen könne und wolle, die bei den Städten und Kreisen liege.