„Wasserwerk wird nicht beeinträchtigt“
Nottuln - Es ist ein Erbe, mit dem Dirk Griepenburg gut leben kann. Als der Nottulner im Januar 2007 die Leitung der Niederlassung Münsterland des Landesbetriebs Straßen.NRW übernimmt, reicht sein Vorgänger Reinhard Niggemeier auch die Planung für die Nord-Umgehung Nottuln an ihn weiter. Wäre Griepenburg schon in den 90er-Jahren Behördenchef gewesen, gäbe es dann auch die Nord-Trasse? Eine Frage, die sich für ihn nicht stellt. „Es geht hier nicht um eine Wunschveranstaltung, es geht nicht darum, wer sich welche Trasse wünscht“, sagt Dirk Griepenburg im WN-Gespräch. Die Nord-Umgehung sei das Ergebnis eines umfangreichen Abwägungsprozesses, an dem viele Fachbehörden und gesellschaftliche Gruppen beteiligt waren.
Die Umweltverträglichkeitsstudie sieht aus landschaftsökologischer Sicht keine Präferenz für eine Nord- oder Südumgehung. Betrachtet man allein die wasserwirtschaftlichen Aspekte, sei die Nord-Trasse sicherlich problematischer, doch in verkehrlicher Hinsicht bringe die Nord-Umgehung die größere Entlastung, verknüpfe sie doch drei Landesstraßen und eine Kreisstraße. „Wir wollen schließlich nicht nur den Durchgangsverkehr auf der B525 zwischen der A43 und Darup erwischen“, sagt Dirk Griepenburg.
Wie hoch die voraussichtliche Verkehrsentlastung sein wird, hat die Behörde 2006 noch einmal in einem aktuellen Gutachten untersuchen lassen. Dieses Gutachten berücksichtigt nach Auskunft von Gertrud Schulze Spüntrup, Projektleiterin für die Nord-Umgehung, die Auswirkungen der Umgehung Lette und auch einer künftig vielleicht durchgehenden B67n. Die Entlastung hierdurch sei aber gering. Die Nord-Umgehung sorge dagegen nach der Prognose beispielsweise für eine Lkw-Entlastung um bis zu 86 Prozent. Direkt in der Ortsmitte betrage die Entlastung insgesamt 39 bis 49 Prozent, zu den Ortsrändern hin sogar noch deutlich mehr. Dennoch: „Die Ortsdurchfahrt wird nach Fertigstellung der Umgehung nicht zur Wohnstraße werden“, sagen auch Schulze Spüntrup und Griepenburg.
„Die Planung hat sich weiter entwickelt“, erklärt der Behördenchef. Während der gesamten Planfeststellungsphase würden fortlaufend neue Erkenntnisse - gleich ob aufgrund von Gutachten oder Gesetzesänderungen - in das Projekt eingearbeitet. „Der Planfeststellungsbeschluss“, so betont Griepenburg, „wird immer auf der Grundlage der aktuellen Gesetzgebung gefasst.“
Geändert haben sich beispielsweise europäische Umweltrichtlinien, weshalb nun im Bereich Nonnenbachtal für den Fledermausschutz die Umgehungsstraßenbrücke mit Seitenwänden ausgestattet wird. Willkommener Nebenaspekt: Diese Seitenwände bilden auch einen Spritzwasserschutz - zum Schutz des Grundwassers rund um das Nottulner Wasserwerk.
Dass gerade in den letzten Wochen die Sicherheit für das Wasserwerk ein viel diskutiertes Thema in der Öffentlichkeit war, hat der Landesbetrieb Straßen.NRW natürlich aufmerksam verfolgt, geändert hat sich die Position der Straßenplaner aber nicht: „Die Umgehungsstraße beeinträchtigt das Wasserwerk nicht. Dazu stehen wir“, betont Dirk Griepenburg und weist die Kritik am Gutachten von Professor Lange zurück.
Straßen in Wasserschutzzonen seien nichts Ungewöhnliches, erklärt der Behördenleiter und führt als Beispiel das Wasserwerk Hagen direkt neben der vielbefahrenen A1 an. „Da sind die Brunnen noch näher an der Straße als hier in Nottuln.“
Die Umgehungsstraße Nottuln sei so geplant, als führe sie durch die strengere Wasserschutzzone 2 und nicht durch die Zone 3, wie es jetzt der Fall sei. Er kenne auch noch keinen Fall, dass Autos von Brücken mit Schutzvorkehrungen gestürzt seien, wie sie in Nottuln zum Einsatz kommen, so Griepenburg.
Die Pfahlgründung der Brücke ist nach Auffassung der Straßenplaner ebenfalls kein Problem für das Grundwasser. Denn der in die Bohrlöcher gefüllte Beton wirke - vereinfacht gesagt - wie ein Pfropfen und verschließe alles. Und dass für das Bauen in Wasserschutzzonen bestimmte Regeln und Auflagen während der Bauphase gelten, sei bekannt und werde von den Umweltbehörden auch überwacht.
Und wie geht es nun weiter? Irgendwann in diesem Jahr wird der Planfeststellungsbeschluss vorliegen. Darauf warten alle, auch die Grundstückseigentümer, deren Flächen für die Straße benötigt werden. „Mit allen ist bereits gesprochen worden“, berichtet Projektleiterin Schulze Spüntrup.
Ein Baubeginn in 2010 ist nach Auffassung von Dirk Griepenburg realistisch. Es sei denn, ein Gericht verhängt einen Baustopp bis zur endgültigen Klärung der wahrscheinlichen Klagen. Doch damit rechnet Griepenburg nicht: „Nottuln wird von der Nord-Umgehung profitieren. Mit Sicherheit.“