CDU Gemeindeverband Nottuln

Platz machen für "frische Kräfte"

Kreis Coesfeld. Mit einer Nachricht in eigener Sache hat der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Werner Jostmeier bei der jüngsten Sitzung die Mitglieder des CDU-Kreisvorstands überrascht: Wenn in acht bis neun Monaten turnusgemäß ein neuer Kreisvorstand gewählt wird, will der 60-jährige Dülmener, der seit 2003 an der Spitze der Kreispartei steht, nicht noch einmal für den Vorsitz kandidieren. Unser Redaktionsmitglied Detlef Scherle sprach mit ihm über die Beweggründe und das nun folgende Verfahren der Kandidatenfindung.
Will sich Mitte 2011 aus der Führungsspitze der Kreispartei zurückziehen: Werner Jostmeier (60).
Herr Jostmeier, ihre Ankündigung keine neue Amtszeit anzustreben hat viele in der Kreis-CDU, sogar langjährige Mitstreiter, überrascht.

Jostmeier: Diese Entscheidung habe ich schon vor einiger Zeit getroffen. Mitgeteilt hatte ich sie unmittelbar vor der Sitzung nur meiner Stellvertreterin Anni Willms, unserem Bundestagsabgeordneten Karl Schiewerling und unserem Kreisgeschäftsführer Hans-Peter Egger.

Was sind Ihre Beweggründe - gab es Zoff in der Kreispartei um die angepeilten Reformen?

Jostmeier: Nein, ganz und gar nicht. Wir sind mit unserem Reformprozess - gerade auch bei unserem letzten Parteitag - ein gutes Stück vorangekommen und werden darum innerhalb der Bundes-CDU, aber auch von anderen Parteien, die längst noch nicht so weit sind, beneidet.

Was ist es dann - sind Sie amtsmüde?

Jostmeier (lacht): Nein, sicher nicht. Ich fühle mich derzeit sogar, auch dank der Ämter, die ich durch die CDU ausüben darf, auf dem Höhepunkt meiner politischen Handlungs- und Einflussmöglichkeiten. Trotzdem halte ich den Zeitpunkt für richtig, die Arbeit an der Spitze der Kreispartei in jüngere Hände zu legen. Gerade durch den von uns jetzt begonnenen Prozess der Öffnung und Reformierung der CDU kann es sehr hilfreich sein, diesen Erneuerungsprozess auch durch andere Köpfe oder frische Kräfte und neue Ideen vorantreiben und begleiten zu lassen. Ferner: Im kommenden Jahr bin ich seit fast 30 Jahren im Kreisvorstand, 25 Jahre davon in Führungsverantwortung, als Kreisvorsitzender, als erster Stellvertreter von Werner Lensing und Willi Rawe, als Wahlkampfleiter und als einer der stellvertretenden Vorsitzenden im geschäftsführenden Kreisvorstand. Das weiß ich so genau, weil wir im nächsten Jahr das 25-jährige Dienstjubiläum von Hans-Peter Egger feiern und ich damals bereits im kleinen Kreis an der Personalentscheidung beteiligt war. Übrigens: eine der besten Pesonalentscheidungen, die die CDU im Kreis je getroffen hat.

Warum haben Sie schon so früh mitgeteilt, dass Sie im Mai / Juni nächsten Jahres aufhören wollen, birgt das nicht am Ende die Gefahr monatelang als "lame duck" dazustehen, wie die Amerikaner einen Amtsinhaber auf Abruf nennen?

Jostmeier: Die Offenheit und Transparenz, die wir im Reformprozess angestoßen haben, muss gerade auch bei Personalentscheidungen zum Tragen kommen. Und eine gute Personalentscheidung braucht eine gute Vorbereitung. Jetzt haben alle Ebenen der Kreispartei ausreichend Zeit, die Nachfolge breit zu diskutieren und zu organisieren. Das ist mir wichtig. Über anderes mache ich mir da keine Gedanken.

Wie wird das Prozedere sein?

Jostmeier: Ich empfehle meiner Partei, die Vereinigungen und örtlichen Vorstände zu bitten, Vorschläge zu machen. Die CDU-Gliederungen haben dann die Möglichkeit, die Kandidatinnen und Kandidaten einzuladen und kennenzulernen. Dieses breite demokratische Verfahren ist für uns selbstverständlich und hat sich auch in der Vergangenheit schon sehr bewährt.

Bedeutet der Rückzug vom Vorsitzendenamt auch - mittelfristig - einen Rückzug aus dem Landtag?

Jostmeier: Nein. Die Aufgaben als Abgeordneter in Düsseldorf und auch als Leiter der deutschen Delegation im Rat der Regionen bei der EU in Brüssel machen mir nach wie vor sehr viel Spaß. Sollten vorgezogene Neuwahlen notwendig sein, das ist ja nicht so unwahrscheinlich, werde ich sicherlich noch einmal kandidieren, wenn die Partei mich weiter trägt und das wünscht.

Gilt das auch, wenn die Legislaturperiode turnusgemäß 2014 enden sollte?

Jostmeier: Dann werde ich 64 Jahre alt sein. Ob ich dann noch einmal antrete, darüber habe ich noch keine Entscheidung getroffen.