Sperrung verschiebt das Problem
Rund 100 Bürger waren der Einladung des Initiativkreises gefolgt. „Wir reden über ein akutes Problem, nicht über eines, was wir in Zukunft erwarten“, betonte Michael Küper, der zusammen mit Edmund Burkhard die Versammlung leitete.
Küper erläuterte, dass sich aus Sicht der Anlieger die Verkehrssituation in Nottuln-Süd deutlich verschlechtert habe, seitdem die Bodelschwinghstraße verlängert und an die B525 (Appelhülsener Straße) angebunden worden sei. Bewohner der Steinstraße, Bodelschwinghstraße und des Lerchenhains sähen sich zunehmend einem ständig wachsenden Durchgangsverkehr ausgesetzt. Auch durch Lkw und rücksichtsloses, schnelles Fahren wachse die Gefahr ständig. Man sei nicht mehr gewillt, diese Entwicklung in dem reinen Wohngebiet ohne Gewerbeansiedlung weiter hinzunehmen.
Küper informierte über denkbare Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und über deren Kosten und Nutzen. Als optimale Lösung schlägt der Initiativkreis die Unterbrechung/Sperrung der Bodelschwinghstraße vor. Das in der Zwischenzeit von der Gemeinde verhängte Lkw-Durchfahrtsverbot wird nach Beobachtungen der Anlieger häufig nicht beachtet, berichtete Küper.
Bürgermeister Peter Amadeus Schneider wies darauf hin, dass man nicht nur die Bodelschwinghstraße, sondern die komplette Verkehrssituation in Nottuln betrachten müsse. „Wir müssen darüber nachdenken, wie hat sich das Verkehrsverhalten geändert? Wenn wir die Bodelschwinghstraße sperren, verschiebt sich das Problem woanders hin.“ Schneider wies darauf hin, dass demnächst die Novellierung des Flächennutzungsplans anstehe, wozu ein integratives Verkehrskonzept für ganz Nottuln gehöre.
Raphael van der Poel, Bürgermeisterkandidat der CDU, stimmte Schneider zu, dass das Problem innerhalb der gesamten Verkehrswege zu betrachten sei. Skeptisch beurteilte auch er Einzellösungen. „Da sehen sie mich sehr nahe beim Bürgermeister.“
Aber: „Zahlen und Messungen kann man auch gegenfragen“, meinte van der Poel und griff damit die Zweifel der Bürger an den Messergebnissen der Gemeinde auf. Van der Poel wies außerdem auf die kommende Umgehungsstraße Nottuln hin. Auch deshalb sei ein Gesamtkonzept notwendig, „damit wir nicht in zwei Jahren solch eine Veranstaltung mit anderen betroffenen Mitbürgern haben“.
Zu Wort kamen auch Wolfgang Danziger (SPD), Rolf Schulz (UBG), Roswitha Roeing-Franke (CDU), Richard Damman (Grüne) und Rudolf Sänger (CDU). Alle äußerten Verständnis für den Wunsch der Anlieger in Nottuln-Süd nach einer schnellen Lösung. „Das Dorf ist gewachsen, und dieses Dorf fährt Auto. Wir lösen mit einer Sperrung der Bodelschwinghstraße das Problem nicht“, brachte Dammann die vorherrschende Meinung auf den Punkt.
Mehr Geschwindigkeitsschilder als schnelle Lösung regte unter anderen Rudolf Sänger an. Bürgermeister Schneider wies allerdings darauf hin, dass die Messungen der Gemeinde ergeben hätten, dass 85 Prozent der erfassten Fahrzeuge im Durchschnitt mit 31 km/h durch das wohngebiet fahren. Skeptischen Anwesenden bot er an: „Überall dort, wo sie es für sinnvoll halten, können wir eine verdeckte Messung machen, bei der sie gerne zum Kontrollieren dabei sein können.“ Außerdem bot er als kurzfristige Maßnahme das Pflanzen einer Reihe von Bäumen an. Aufpflastungen werde er nur nach Absprache mit den Bürgern, die dort wohnen, in Betracht ziehen, weil diese Baumaßnahmen zwar die Geschwindigkeit drosselten, beim Überfahren aber mehr Lärm verursachten.
Für die Bürger in Nottuln-Süd bleibt das Problem der Verkehrsbelastung weiter aktuell. Michael Küper: „Wir werden als Initiativkreis im Dialog mit den politisch Verantwortlichen der Gemeinde bleiben.“